PRESSEMITTEILUNG


Franziska Furter
Shapes, Traps and Spells
30. August bis 11. Oktober 2014 Eröffnung: Freitag, 29. August 2014, von 18 bis 21 Uhr


Wir freuen uns sehr, Ihnen neue Arbeiten von Franziska Furter (*1972 in Zürich) in ihrer zweiten Einzelausstellung in unserer Galerie präsentieren zu können. Franziska Furter ist eine bedeutende Schweizer Künstlerin, die in vielen Einzel- und Gruppenausstellungen in Museen und Galerien hervorgetreten ist.
Wie dem Titel Shapes,Traps and Spells zu entnehmen ist, beinhaltet die Ausstellung drei Werkgruppen und Themenkreise: Einerseits betritt Franziska Furter in der Schau in der Form ausbalancierter Collagen, den Shapes, neue Territorien, andererseits bewegt sie sich mit den skulpturalen Arbeiten Spells auf Pfaden, die stärkere Verbindungen zu früheren Arbeiten besitzen. Die Traps sind Stoffstrukturen, die einen direkten Bezug zu einer der wichtigsten Anregung für die Ausstellung herstellen. Dabei handelt es sich um den Roman Die Fliegenfalle: Über das Glück der Versenkung in seltsame Passionen, die Seele des Sammlers, Fliegen und das Leben mit der Natur von Fredrik Sjöberg. Das Buch nahm die Künstlerin völlig gefangen. Hauptsächlich erklärt Frederik Sjöberg darin, warum er dies macht, was er macht, nämlich Schwebfliegen sammeln. Während er erzählt, verliert er sich aber immer wieder in Geschichten über Forscher, die skurrile Leben geführt und eigenartige Berufungen verspürt haben, die aber eben oft auch Entdeckungen und neue Errungenschaften mit sich brachten. Unter anderem geht es um René Malaise, einem schwedischen Entomologen und Reiseschriftsteller, der eine Fliegenfalle, die sogenannte Malaise-Falle, erfunden hat. Seine zeltartige, sehr effektive Fliegenfalle besteht aus schwarzen Stoffen untenrum und einem weissen Oberteil, welches auf einer Seite ansteigt und in eine Spitze mündet, an deren Ende ein Gefäss mit Gift angebracht ist, in dem die Insekten schliesslich verenden. Sie beruht auf der Beobachtung, dass Insekten immer dem Licht entgegen und, wenn sie den Ausweg suchen, meistens nach oben fliegen.
Im mittleren Raum der Galerie begegnen den Besucherinnen und Besuchern zwei ineinandergeschobene Traps. Diese sind künstlerische Interpretationen der Malaise-Fallen, die ihrem Zweck Fliegen zu fangen, enthoben sind. Die skulpturale Struktur besteht aus unterschiedlich transparenten, weissen Stoffen. Sie ist weder Zelt noch Höhle, sondern eher ein Labyrinth. Die Form besitzt etwas Verschlungenes, Verfangenes, aber auch durch ihren geschichteten Aufbau abstrakte Qualitäten und Tiefe. Das räumliche Gegengewicht zu den Traps bildet eine im Raum schwebende Gruppe von Spells – skulpturale geometrische Konstruktionen aus Messing-Quadratrohr, die in ihrer Abstraktion ein Eigenleben entwickeln und mit ihren Untertiteln auf mythologische Gestalten verweisen. An den Wänden neben den künstlerischen Variationen der Malaise-Fallen und der Gruppen von Spells hat Franziska Furter neue Papierarbeiten aus der Werkgruppe Shapes lose verteilt. In der Herstellung dieser Collagen folgt sie genauen Vorgaben: Sie benutzt stets zwei Buchseiten mit Pflanzendarstellungen und schneidet die Seiten so zurecht, dass eine bestimmende Linie entsteht, wenn diese in einem rechten Winkel übereinanderlegt werden. Oft scheinen die entstehenden Linien und Formen im Bildraum zu schweben als wären sie an unsichtbaren Fäden aufgehängt wie die Objekte im Raum. Franziska Furter lässt sich vom Prinzip des kontrollierten Zufalls leiten. Sie will in der Herstellung der Collage den Sekundenbruchteil einfangen. Dabei findet der Zustand des Taumelns, die die künstlerische Arbeit oft beinhaltet, in den Collagen ihren unmittelbaren sichtbaren Ausdruck. Die zusätzlichen Titel der Shapes sind Namen von Winden. Es ist als würden die Naturgewalten die Papiere streifen oder an ihnen rütteln.
Der Untertitel des Buches von Sjöberg benennt ein wichtiges Kriterium der Arbeit von Franziska Furter: die Versenkung in eine Tätigkeit durch Leidenschaft und Beharrlichkeit. Diese selbstverständliche Konzentration von Franziska Furter besitzt eine Leichtigkeit, die Momente des Glücks entstehen lässt. Die Frage von Fischli Weiss „Findet mich das Glück?“, kann sie in diesen Momenten bejahen. Dabei ist ihr aber jede esoterische Neigung fremd. Sie frönt nicht einer Versenkung in den künstlerischen Gegenstand, sondern arbeitet mit humorvoller Hingabe und Genauigkeit.
Im ersten Raum wird in drei grossen kaskadenartigen Spells diese Ausdauer und Beharrlichkeit mit Händen greifbar. Der Titel der Serie verdeutlicht, dass die Objekte etwas Magisches ausstrahlen können. Es sind Setzungen im Rahmen einer vorgegebenen Struktur gefügt aus quadratischen Messingrohren. Die spielerischen Elemente verweisen auf frühere Arbeiten wie zum Beispiel die Ausseninstallation Mojo und die Werkgruppen Crystal Silence und Islands. Die Spells sind abstrakte Äusserungen im Raum, systematische Materialisierungen von Ideen, die im Umkreis von Talismanen oder Dreamcatchern, aber auch Himmelis (finnischen Weihnachtsschmuck) anzusiedeln sind. Es sind Objekte, die das Leben feiern und Glück bringen sollen.
Franziska Furter besitzt eine grosse Gabe, innerhalb eines von ihr definierten Regelsystems, Arbeiten von Poesie und Eindringlichkeit zu schaffen. Die drei Werkgruppen der Ausstellung handeln von Moment und Zustand. Oft arbeitet Franziska Furter in Werkgruppen, in denen sie Fragestellungen auslotet und vertieft. Ihre Ausstellungen sind ausgewogen, beschreiben wie sich Gedanken entwickeln und sich in der Folge in ihren Arbeiten äussern. Die aktuelle Installation ist dynamisch und ein steter leichter Lufthauch scheint durch sie zu wehen. Die Ausstellung besitzt eine traumwandlerische Leichtigkeit und eröffnet den Betrachterinnen und Betrachtern eine Vielfalt von Assoziationen und Gedanken, aber auch ein direktes räumliches Empfinden.


Franziska Furter geboren 1972 in Zürich, lebt und arbeitet in Basel und Berlin
2010 Artist in residence, Cité des Arts, Paris und Artist in residence, Kairo, Pro Helvetia; 2008 Cahiers d’Artistes, Pro Helvetia und Förderpreis, Alexander Clavel-Stiftung, Riehen; 2006 Werkbeitrag, Kuratorium des Kantons Aargau; 2003 Atelierstipendium London, Kuratorium des Kantons Aargau; 2001 Prix Ehinger, Basel; 1999 Atelierstipendium Berlin, Kuratorium des Kantons Aargau und Atelierstipendium Edinburgh, CMS Stiftung, Basel; 1997 Förderbeitrag, Stiftung Vordemberge-Gildewart; 1994-1997 Hochschule für Bildende Kunst HGK Basel
Seit 2000 zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland, u.a. Aargauer Kunsthaus, Aarau; Kunsthalle Basel; Kunsthalle Baselland; Kunsthaus Langenthal; Kunstmuseum Solothurn; Kunstmuseum Thun; Kunstverein Freiburg i.Br.; Museum Wiesbaden; Volpinum, Wien; Chapelle St. Quirin, Sélestat, Elsass; Palais de Tokyo, Paris; Towner, Eastbourne; (les halles) – espace d’art contemporain, Porrentruy
Die Eröffnung findet in Anwesenheit der Künstlerin am Freitag, 29. August 2014 von 18 bis 21 Uhr statt. Für weitere Information und Bildmaterial kontaktieren Sie bitte Lullin + Ferrari, Limmatstrasse 214, CH–8005 Zürich, t. +41 43 205 26 07, info@lullinferrari.com, www.lullinferrari.com Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 12–18 Uhr, Samstag 11–17 Uhr und nach Vereinbarung